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Entspannte Reise durch ein weites Land
So viel Natur für so wenige Menschen: schroffe Küsten, einsame Buchten, Urwälder, aber auch Großstadtflair in Auckland. Viele verlieben sich in dieses gelobte Land. Und manche bleiben gleich da.
Von München nach Auckland via Dubai, Singapur und Brisbane. Der Flug dauert satte 26 Stunden bis ich am anderen Ende der Welt aus dem Großraum-Jet steige. Es ist der 21. November 2003 und es ist ein herrlicher Frühsommertag in Neuseeland. Nach den üblichen Formalitäten am Airport bringt mich ein Shuttlebus zur zwei Kilometer entfernten Maui- Autovermietung. Ein bereits in Deutschland gebuchter Mietwagen soll für Mobilität sorgen. Dass hier Linksverkehr herrscht ist schon gewöhnungsbedürftig. Zusätzliche Aufmerksamkeit erfordert, dass trotzdem, wie bei uns, rechts vor links gilt.
In der "City of Sails", wie Auckland wegen der vielen Segelfanatiker auch genannt wird, gewöhnt man sich schnell an das andere Klima. Die 1,3 Millionen Stadt pulsiert mit einer gewaltigen Skyline und einem 328 Meter hohen Tower. Allein hier leben mehr Menschen als auf der ganzen Südinsel. Imposant ist auch der riesige Hafen, der Dove-Meyer Robinson Park und der "Roses Garden". Nachdem ich die Stadt zwei Tage erkundet habe, peile ich die besten Plätze des Naturparadieses an, die Bay of Islands mit ihren 144 Inseln.
Vier Stunden hat die Fahrt von Auckland bis hierher gedauert. Eine entspannte Reise durch weites Land. Ampelfreie Straßen, fast kein Verkehr. Autofahrer grüßen einander. Sanft geschwungene Hügel, mal zart-, mal sattgrün, auf den Weiden Kühe Pferde und Schafe. Dazwischen kleine Weiler. Ab und zu blickt man auf kilometerlange Strände, einzig besucht von klaren Wellen. In der Waldeinsamkeit wird es für Fremde beschwerlich. Immerhin, ich habe es geschafft.
Frühstück mit Eisvogel
Theo und Jo wohnen in dieser grenzenlosen Weite des subtropischen Nordens der Insel. Und sind glücklich. Sagen sie jedenfalls.
Am nächsten Morgen frühstücken wir auf der Terrasse. Lau streicht die Luft in die Zweige der Manukabäume auf dem Hügel. Auf einem Ast sitzt ein farbenprächtiger Eisvogel, der auf Insekten lauert. 5 Hektar umfasst das Land von Theo und Jo, mit Wald, mit Teich und gigantischem Ausblick auf die Bay of Islands. Das Paar wohnt in einem bequem eingerichte- ten Holzhaus. Gekostet hat die neue Heimat gerade mal ein Fünftel von dem, was man für eine Doppelhaushälfte in Bayern hinlegen muss. Der Traum des ehemaligen Flugzeugmechanikers und seiner Freundin ist in Erfüllung gegangen. Unabhängig wollten sie sein, "nach Möglichkeit autark leben und nur noch das tun, was uns Freude macht".
Gegen Abend bringt ein Nachbar frisch gefangenen Snapper vorbei. Geld will er keines. Mal bekommen Jo und Theo Fisch, mal ein Säckchen Obst oder Gemüse. Auf dem Hügel der Manukabäume bezahlt man nicht für Lebensmittel, man tauscht. Theo lässt den Fisch in der Pfanne bruzeln. Beim Essen zieht er Bilanz. Natürlich, ganz leicht ist es ihm nicht gefallen, in die Fremde zu ziehen. Gekannt hat er keinen hier. Dazu kam, dass er zu Beginn noch etwas Schwierigkeiten mit seinem Englisch hatte. Dennoch war er sofort eingebunden in das Leben in Neuseeland: "In der Einsamkeit achten sich die Menschen mehr als anderswo. Jeder ist gleich wichtig und willkommen, egal ob du aus Deutschland, Italien oder China kommst. Man fühlt sich gleich geborgen."
Leben im Land der Maori
Es war einmal ein riesiger Südkontinent. Er nannte sich Gondwanaland. Die Landmasse umfasste Südamerika, Afrika, Vorderindien, Australien und die Antarktis. Vor 150 Millionen Jahren zerbrach der Kontinent. Vor 80 Millionen Jahre lösten sich zwei Platten von Australien und drifteten nach Osten. Das geschah zu jener Zeit, als es außer zwei Fledermausarten noch keine Säugetiere gab. Bis die ersten Menschen kamen. Um 1350 n. Chr., so erzählt die Legende, erreichten sieben Kanus der in Tahiti beheimateten Maori die Nordinsel. Die Ureinwohner brachten ihre "Haustiere", Hunde, Ratten mit. Da war es vorbei mit dem paradiesischen Leben der heimischen Tierwelt.