Das Ende des Regenbogens


Rainbow Warrior (I)

Die erste "Rainbow Warrior", ein 40 Meter langes Schiff von 418 Tonnen, war ursprünglich ein Fischdampfer namens Sir William Hardy, der 1955 vom Stapel lief. Er wurde für 40.000 £ erstanden und über vier Monate lang renoviert, dann am 29. April 1978 als "Rainbow Warrior" wieder aktiviert. Die Motoren wurden 1981 erneuert, 1985 wurde das Schiff zu einem Anderthalbmaster - s. g. Ketsch umgebaut.

"
Rainbow Warrior" war 1978 das neue Flaggschiff der Greenpeaceflotte und wurde zum großen Teil von der niederländischen Sektion der WWF finanziert, um gegen den Walfang weltweit, insbesondere vor Island, zu protestieren. Der Name Rainbow Warrior geht auf eine indianische Prophezeihung zurück:

When the earth is ravaged and the animals are dying, a new tribe of people shall come unto the earth from many colors, classes, creeds, and who by their actions and deeds shall make the earth green again. They will be known as the warriors of the rainbow - Old native American prophecy


Attentat auf die Rainbow Warrior (1985)

1985 sollte die "Rainbow Warrior" zum Mururoa-Atoll in Französisch-Polynesien fahren, um gegen die dort stattfindenden französischen Atomtests zu protestieren, und lag im Hafen von Auckland vor Anker.

Die "Rainbow Warrior" wurde kurz vor Mitternacht am 10. Juli durch zwei Sprengladungen versenkt, die durch den Geheimdienst Frankreichs an die Hülle angebracht worden waren. Von den zwölf Menschen an Bord ertrank der Fotograf, Fernando Pereira, als er versuchte, seine Ausrüstung aus seiner Kabine zu retten. Die "Rainbow Warrior" wurde am 21. August 1985 gehoben und zwecks forensischer Untersuchung in einen Hafen geschleppt. Obwohl die Hülle wiederhergestellt wurde, war der Schaden so groß, dass eine Reparatur unwirtschaftlich gewesen wäre, und so wurde das Schiff am 2. Dezember 1987 in der Matauri-Bucht (Cavalli-Inseln) versenkt.


Tauchen am Regenbogen


Die Tauchausrüstung ist auf dem Boot verstaut. Nun starten wir von der Matauri Bay aus in Richtung Cavalli-Islands. Die Fahrt dauert gerade mal zwölf Minuten, vorbei an einer echten Bilderbuchkulisse: weiße Strände mit schwarzen Vulkanfelsen und Mini-Inseln, umrahmt von blauem und türkisfarbenem Wasser. Gary Gillbanks, Tauchführer und Kapitän der "Warrior I" fackelt nicht lange. "The Pool Is Open!", heißt es nach einer kurzen Tauchgangsbeschreibung. Jedesmal empfinde ich diese erwartungsvolle Aufregung beim Abtauchen, bis sich nach zehn Metern die ersten Konturen aus dem eintönigen Blaugrün lösen. Bei einer Tiefe von fünfundzwanzig Metern sind wir am Heck des "alten Kriegers" angelangt. Die "Rainbow Warrior" liegt mit einer leichten Backbordschlagseite auf hartem Sandboden.

Erstaunlich ist, wie in den sechszehn Jahren seit der Versenkung Weichkorallen, Kelp, Schwämme und vor allem Seeanemonen von dem Wrack Besitz ergriffen haben. Die Juwelen-Anemonen funkeln im Lampenlicht brilliant in Rot, Gelb, Pink und Blau auf. Die gesamte Palette an neuseeländischen Riffbewohnern hat an diesem künstlichen Riff einen neuen Lebensraum gefunden. Das Deck ist inzwischen über und über mit Kelb bewachsen und an manchen Stellen bereits eingefallen. Die Sichtweiten schwanken zwischen 10 bis 30 Metern. An der Steuerbordseite erkenne ich einen formlosen Haufen Metallplatten, die einmal die Brücke gewesen sind. Erstaunlich, wie schnell Tonnen von Stahl "biologisch abbaubar" sind. Der Bugkorb, der einst stolz die Wellen auf der Suche nach Umweltsündern pflügte, hat bis jetzt dem Verfall noch getrotzt. Auf dem Weg zum Mitteldeck wird klar wer die Besitzer dieses Terrains sind: Skorpionsfische, die mit verdutztem Blick stillhalten um sich von mir ablichten zu lassen.

Da ist sie, die Luke, die Gary gesucht hat. Pechschwarz, quadratisch und gerade groß genug für uns: wir tauchen in den dunklen Bauch der "Rainbow Warrior I". Als meine Hand den Kabinenboden berührt wirbelt Sediment auf und ich folge meinem Tauchführer vorsichtig, um unsere Sicht nicht weiter einzuschränken. Ich wünschte, es gäbe eine Kamera, die sich so schnell auf solch geringe Lichtverhältnisse einstellen kann, wie meine Augen. Nach kurzer Zeit kann ich den Raum um mich herum deutlich erkennen. Aus sicherer Entfernung beäugt uns eine mißtrauische Languste. Nach ihrer Größe zu schließen, kann sie das Wrack ohne weiteres schon kurz nach der Versenkung besiedelt haben.

Sorgfältig austariert und scharfen Metallkanten ausweichend, schweben wir weiter von Raum zu Raum. Ein Blick auf meinen Tauchcomputer sagt mir, dass es Zeit für den Rückzug ist. Wir bewegen uns in den Lichtstrahl einer zweiten Luke. An einer Leiter hinauf und wieder im Freien auf dem Vorderdeck, löst sich eine Spannung, von der ich erst jetzt merke, dass sie da war. Die "Rainbow Warrior" war mein erster Wracktauchgang und somit ein aufregendes Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Wie Greenpeace bin auch ich der Meinung: "Einen Regenbogen kann man nicht versenken!"

Bewußt hat man in dieser geschichtsträchtigen Gegend die letzte Ruhestätte des einst stolzen Schiffes gewählt. Denn im Norden leben die meisten Maoris, die Ureinwohner Neuseelands. Und bis zum heutigen Tag kämpfen sie um ihre Rechte. Nun soll die "Rainbow Warrior" als Mahnmal für die Mißachtung von Minderheiten verstanden werden.



Facts zum Tauchgang

Maximale Tiefe: 25,3 Meter
Schwierigkeit: mittel, für Anfänger nicht geeignet
Wassertemperatur: 17 Grad
Tauchzeit: 40 Minuten
Datum: 20.12.2003
Infos: garygillbanks@hotmail.com

Gegen Mißachtung von Minderheiten: Mahnmahl auf dem Hügel an der Matauri Bay
Matauri Bay: Das Land der Kiwis verführt seine Besucher mit einer traumhaften Natur - sowohl über als auch unter Wasser
Wie in der Sardinenbüchse: Demoisellen
Sinfonie in Grün: Der Bugkorb der "Rainbow Warrior"
Labertante: Muräne zeigt Zähne
Künstliches Riff: Die "Rainbow Warrior" wurde 16 Jahre nach ihrer Versenkung zum neuen Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen
Pretty in Pink: Juwelen-Anemonen
Heck der "Rainbow Warrior": stark bewachsen mit Schwämmen, Anemonen und Kelp
Verdutzter Skorpionsfisch: trotz Körpertarnung entdeckt
Stachelige Torwächter: Seeigel vor dem Domizil einer Muräne
Neugierige Languste: fühlt sich sicher in ihrer Nische
Kapitaler Siebenpfünder: Der Crayfish lebt zwischen Felsen und Spalten und gilt als Delikatesse
"Warrior I": Das Boot von Gary bringt uns zur "Rainbow Warrior"